Schlüsselbilder. Kunst im Alltag
Malerei des Kunstarchivs Beeskow und des Kunstfonds des Freistaates Sachsen, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Gefördert von LOSCON Lassowsky Ost-Consult und dem Bildungs-, Kultur- und Musikschulzentrum Burg Beeskow

12. Oktober 2013 – 09. Juni 2014
Altes Amt, Burg Beeskow
Frankfurter Straße 23
15848 Beeskow

Die Ausstellung will einen differenzierten Blick in die Sammlung ermöglichen und deren vernachlässigtes Potential erschließen. Darum handelt es sich bei diesen 75 Bildern aus 40 Jahren Kunst im Auftrag bzw. Ankauf nicht nur um eine mechanische Addition der gewohnt erwarteten klassenkämpferischen Attitüden, sondern mehr um ein Konvolut unauffälliger, dem schlichten Alltagsleben verpflichteter Bilder. Bilder von unverbindlicher Beschaulichkeit, Bilder auch, auf denen sich Belanglosigkeiten und künstlerische Harmlosigkeit ausbreiten, wie sie in allen Epochen und Gesellschaftssystemen entstanden sind und - auch weiterhin entstehen.
Bis zum Ende der 1960er Jahre übten sich Künstler noch an der Übereinstimmung mit dem Publikumsgeschmack und den politisch sanktionierten Kunstvorstellungen der herrschenden Partei wie auch der sowjetischen Besatzungsmacht.
Mit der Fortschreibung des biederen Realismusverständnisses der 1950er Jahre, das schon unter den Nationalsozialisten den Kunsttenor gegen die wesentlichen Strömungen der Moderne des 20. Jahrhunderts in Deutschland gebildet hatte, wurde der kleinbürgerliche Kunstgeschmack breiter Bevölkerungskreise zum entscheidenden Argument der Kulturpolitik gegen eine zeitgemäße Entwicklung der bildenden Künste. Erst die so genannte Problemmalerei der 1970er Jahre berief sich auf die nüchterne Befragung der Wirklichkeit und die Umwandlung der realen Dingwelt in eine hintergründige, meist mit gleichnishaften Rückverweisen auf Mythen vergangener Epochen aufgeladene Realität. Bis zum Ende der DDR entstehen Bilder, die in der europäischen Tradition stehen, die bestimmt sind von der Lust am Malen und von dem Traum, das Leben durch Bilder verändern zu können.
Hatte die Staatliche Kunstkommission der Sowjetischen Besatzungszone noch das Werk Albrecht Dürers und Tendenzen des kritischen Realismus des 19. Jahrhunderts als vorbildhaft empfohlen, den werktätigen Menschen zur Ikone, zum Helden der sozialistischen Bewegung stilisiert, so breitete sich auf den Leinwänden der 1980er Jahre eher Katerstimmung und Aschermittwochsatmosphäre aus. Die Agonie des Staates provozierte die Verweigerung von Gehorsam und Gefolgschaft. Zwischen williger Auftragserfüllung und totaler Verweigerung, zwischen staatlicher Fürsorge und Ablehnung kulturpolitischer Prämissen, zwischen Nischenphänomenen und Außenseitertum, war im Grunde alles möglich. Selbst die Auftragskunst aus den 1980er Jahren zeugt davon, dass Staat und Gesellschaft in der DDR längst auseinander gefallen waren, und dass vor allem Künstler die Missstände anprangerten, an Symptomen laborierten, Freiräume erkundeten und Widersprüche zwischen politischen und sozialen Ansprüchen und gesellschaftlicher Wirklichkeit aufdeckten.

Text: Herbert Schirmer

Weitere Informationen:
» Plakat