Rudolf Graf (1936 – 1981)
Rudolf Graf hatte zwischen 1962 und 1980 insgesamt 16 Studienreisen ins Ausland unternommen. 1971 reiste er zum ersten Mal für mehrere Wochen nach Bulachowka in die Ukraine. Der Künstler setzte diesen ersten Besuch mit erstaunlicher malerischer Intensität um und schuf in den folgenden zwei Jahren mehr als 20 Ölbilder. Menschen des Kolchos Ukraina, der Kolchosvorsitzende Wassili Iwanowitsch und die weite Landschaft waren hierbei seine bevorzugten Motive. Dazu gehören auch die rastenden Kolchosbäuerinnen, die ohne große Pose am Feldrand sitzen und wie bei einem Foto freundlich in die Kamera blicken. Das Gruppenbild scheint aber nur auf den ersten Blick bei einer Zufallsbegegnung entstanden zu sein. Die Frauen auf dem Feld hatte der Künstler nicht flüchtig wahrgenommen, sondern in mehreren Studien gezeichnet, fasziniert vom malerischen Milieu der Gruppe, den Formen, Farben und vom Licht. Dennoch ist „Rast auf dem Feld“ eine Antiidylle. Das Bild verklärt nicht, zeigt weder die Helden der Sowjetunion noch modernste Landwirtschaftstechnik. Rudolf Graf blieben die kargen Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in diesem Land nicht verborgen. Aber die Absicht des Künstlers waren nicht Polemik oder Provokation. Vielmehr beeindruckten ihn die Herzlichkeit und aufrichtige Gastfreundschaft der ukrainischen Bäuerinnen. Indem er die drei Frauen in die Weite der Landschaft setzte und dabei wie so oft in seinen Bildern einen hoch liegenden Horizont wählte, stellte er die einfachen Menschen in ein größeres Stück Welt – in einen umfassenderen Zusammenhang ohne extreme sinnbildliche Überfrachtung.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Rudolf Graf,
Rast auf dem Feld, 1973, Öl auf Leinwand