Karlheinz Wenzel (*1932)
Karlheinz Wenzel pflegte seit den siebziger Jahren enge Kontakte zur LPG in Kogel. Dort befand sich eine Gärtnerei mit riesigen Gewächshäusern, in denen vor allem Gurken und Tomaten angebaut wurden. Diese gläsernen Landschaften hatten ihn fasziniert und zu verschiedenen Studien veranlasst. Er untersuchte das Verhältnis von Licht und Grün, von Durchblicken und Spiegelungen, die Formen und die Raumtiefe – ihn reizten die malerischen Aspekte des Gegenstandes. Dabei versuchte der Künstler in der Komposition vielfältiger Grünklänge und Liniengespinste den Prismeneffekt von Glas und Licht zu erfassen und auf diese Weise eine Plastizität zu erzielen, bei der sich die perspektivische Konstruktion erübrigt. Das Gemälde entstand im Atelier und stellt in zeitlicher und räumlicher Distanz zu den unmittelbaren Betrachtungen die emotionale Essenz seiner Erkundungen dar. Es ist zugleich der Versuch, das Charakteristische der Arbeit in den Gewächshäusern durch Bewegung und Größenverhältnisse zu repräsentieren. Zwar wurden mit der Modernisierung der Gewächshausproduktion die Erträge der Häuser kontinuierlich gesteigert, doch die meisten Arbeitsschritte mussten immer per Hand vollzogen werden. Vier lebensgroße Frauenfiguren füllen mit Bücken, Recken und Strecken das Format aus – der Anbau von Gewächshausgurken war mit hohem körperlichem Einsatz verbunden. Erschwerend wirkten sich das Klima bei einer Luftfeuchte von 90 Prozent und die Temperaturen von 25 bis 30 Grad aus.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Karlheinz Wenzel,
Jugendbrigade im Gewächshaus, 1985/86, Öl auf Holz