Werner Haselhuhn (*1925)
Das Bild „Traktoristen“ ist das Ergebnis einer Studie mit Bauern der LPG „Thomas Münzer“ in der Gegend um Bad Frankenhausen. Werner Haselhuhn hatte hier auf übergroßem Format das bearbeitete Feld – sein eigentliches Motiv – mit kraftstrotzenden Traktoren und Männern in farbenfroher Arbeitskleidung zugestellt. Die Gruppe ist im Gespräch vertieft und diskutiert. Sie wurde – vergleichbar mit vielen so genannten Brigadebildern in der bildenden Kunst der DDR – nicht während der Arbeit auf den Maschinen gemalt. Die Darstellung von Kollektiven und Brigaden war seit den fünfziger Jahren eine wichtige kulturpolitische Forderung an die bildenden Künste. Dahinter verbarg sich die Absicht, den Idealtyp einer Arbeiterbrigade zu propagieren und so die sozialen Kräfte der Menschen auf zentrale gesellschaftliche Ziele hin zu bündeln und zu kontrollieren. Demonstrativ hatte Werner Haselhuhn um seine Menschengruppe die großen Traktorenräder mit gewaltigen Profilen positioniert. Sie geben dem Betrachter letztlich eine Ahnung von dem Ausmaß und der Wucht mit der die Männer das Land bearbeiten. Im November 1999 wurde das Bild zusammen mit weiteren Leihgaben des Kunstarchivs Beeskow auf der umstrittenen Kunstausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“ in der Mehrzweckhalle in Weimar gezeigt. Auf Verpackungsfolie gehängt, dicht gedrängt zwischen kleinen und großen Bildern, war es nur Statist –Teil einer anonymen Masse und – nicht anders als der Idealtyp der vorgestellten Brigade – beliebig austauschbar.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Werner Haselhuhn,
Traktoristen, 1970/71, Öl auf Hartfaser