Wolfgang Speer (*1926)
Am 3. Januar 1959 traten die Arbeiter der Jugendbrigade „Nikolai Mamai“ aus dem Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld als erstes Arbeitskollektiv der DDR zum Wettbewerb um den Titel „Brigade der sozialistischen Arbeit“ an. Sie waren Vorreiter und Leitbild der Bewegung „Sozialistisch arbeiten, lernen und leben“. Wolfgang Speer, von 1957 bis 1961 Redakteur bei der Zeitschrift „Junge Kunst“, fuhr mit dem Schriftsteller Joachim Knappe für eine Reportage in das Kombinat. Im Februar erschien der Beitrag über die Männer der Brigade „Mamai“. Joachim Knappe schrieb den Text „Aufbruch“ und Wolfgang Speer lieferte sechs Porträtskizzen von den Männern. Unter ihnen auch Gerhard Hamann, einer der Älteren in der Jugendbrigade, der in der Reportage kaum erwähnt wird. Bevor Gerhard Hamann ins Elektrochemische Werk kam, hatte er als Feldarbeiter seinen Lebensunterhalt verdient, vielmehr ist über ihn nicht bekannt. Im März 1960 fasste das ZK der SED auf seiner 8. Tagung den Beschluss über die Entwicklung der LPG, mit dem die endgültige Kollektivierung der landwirtschaftlichen Produktion auf den Dörfern abgeschlossen werden sollte. Aufgefordert zur Mitwirkung an diesem Prozess, appellierten die Künstlerverbände an ihre Mitglieder: „Bildende Künstler! Gestaltet das neue moralische Antlitz der sozialistischen Menschen, die diese historische Umwälzung vollziehen.“ Wolfgang Speer erinnerte sich an den ehemaligen Feldarbeiter aus dem Bitterfelder Kombinat. Anhand der Skizzen malte er ein Porträt in Öl und setzte dem Arbeiter vom Elektrolyseofen kühn eine goldene Ähre in den Mund.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Wolfgang Speer,
Feldbaubrigadier, 1960, Öl auf Pappe