Günter Horn (*1935)
Auf seinen regelmäßigen Reisen nach Stavenhagen entdeckte Günter Horn eine alte Mühle in Varchentin bei Waren und kaufte 1970 das Anwesen. Sein unmittelbarer Nachbar war Friedrich Streuling, ca. 55 Jahre und Mauerer bei der dortigen LPG. Der Nachbar half dem Künstler beim Ausbau der Mühle. Günter Horn malte ein kleines Porträt von seinem Freund. Als eine Abordnung des Ministeriums für Kultur im Berliner Atelier des Künstlers zu Besuch war, erhielt er den Auftrag, ein Bild von seinem Freund aus der LPG zu malen. Günter Horn, dessen Bilder immer kleinformatig waren, nutzte die Gunst der Stunde, um einmal was „Großes“ zu malen, zumal es aufgrund der gesetzlichen Honorarordnung für große Formate auch mehr Geld gab. Die gestellte Szenerie mit den fetten Schweinen und der Ehefrau in der Tür lässt die vorherrschende Technik des gelernten Prospektmalers ebenso erkennen wie den besonderen Humor des Künstlers. Aber vielleicht hatte Günter Horn auch nur nicht gewagt, alle Geheimnisse von Friedrich Streuling unwiderruflich preiszugeben, wie beispielsweise seinen den Körper zerstörenden Alkoholkonsum. Damit ihm der Freund nicht aus dem Rahmen fällt, darf er sich aufstützen. Günter Horn bettet ihn liebevoll ein zwischen alten Holzbalken und kargen Lehmwänden.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Günter Horn,
Friedrich (Schweinestall), 1979, Öl auf Hartfaser