Heinz Wodzicka (*1930)
In keinem seiner späteren Werke ist die Nähe des Künstlers zum italienischen Realismus der fünfziger Jahre so offensichtlich, wie in der „Fahrt zur Ernte“. Bei dem Bild hatte sich Heinz Wodzicka vom Expressionismus und Kubismus des Neorealisten Giuseppe Zigaina beeinflussen lassen. Dessen sozialkritische Bilder hatten in den sechziger Jahren das Leben der Bauern Oberitaliens zum Thema, darunter die Feldarbeit und die Besetzung unbebauten Landes. Heinz Wodzicka malte in starker Anlehnung an die expressive Formensprache Zigainas, was ihm unverblümt die Kritik seiner Malerkollegen und einiger Kunstkritiker einbrachte. Einwände gab es auch in Bezug auf den Bildinhalt, denn es fehlten Erntetechnik und Traktoren auf dem Feld. Die größte Irritation erzeugte die Dynamik des Bildes, auf dem der Wagen umzukippen und die Menschen herunterzufallen drohen. Einige Funktionäre missbilligten die expressive Darstellung der Tiere. Der indirekte Vorwurf: Im Sozialismus gehen keine Pferde durch.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Heinz Wodzicka,
Fahrt zur Ernte, 1967, Öl auf Leinwand