Modernität, Sozialismus und Kunst
Symposium: Berlin – Beeskow – Eisenhüttenstadt – Frankfurt/Oder – Gorzów Wlkp.

Eine Kooperation des Kunstarchivs Beeskow mit der Universität Utrecht in Zusammenarbeit mit Marlene Heidel, Claudia Jansen, Ursula Lücke and Joes Segal

Zeitraum: 06. Oktober 2013 - 11. Oktober 2013

Die seit den 1990er Jahren geführten öffentlichen Debatten zum kulturellen Erbe aus der Zeit des Kalten Krieges tendieren dazu, die europäische Kunstwelt vor 1989 als Wettstreit zwischen der westlichen Moderne und dem Sozialistischen Realismus sowjetischer Prägung zu beschreiben. Dieses verallgemeinernde Schema blendet jedoch eine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen aus, die zumeist über diese vereinfachte, politisierte Unterscheidung hinausgehen.
Vor allem seit den späten 1960ern erkundete die westeuropäische Kunst die Grenzen zwischen „Kunst“ und „Leben“ und öffnete sich damit gegenüber verschiedenen Formen des sozialen und politischen Engagements. Währenddessen avancierte in weiten Teilen Osteuropas der Sozialistische Realismus zum höchst umstrittenen Leitbild und brachte letztendlich viele Künstler und Künstlerinnen sowohl von realistischen als auch sozialistischen Ausrichtungen ab.
Aufgrund dieser eindimensionalen Darstellung der Kulturgeschichte des Kalten Krieges, die nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus einsetzte, ergeben sich eine Vielzahl grundlegender Fragen: Was ist genau unter den Begriffen Moderne und Sozialistischer Realismus zu verstehen? In welcher Relation stehen beide Begriffe sowie die damit verbundenen Konzepte zur Modernität und ist es möglich, von einer sozialistischen Modernität zu sprechen? Welche Aspekte der Kulturgeschichte des Kalten Krieges werden mit dem bloßen Fokus auf die bipolare Teilung übersehen? Welche Begriffe und theoretischen Konzepte wären für eine möglichst nicht-ausschließende, nicht-teleologische Interpretation der europäischen Kunstwelt vor 1989 geeignet? Welche Funktionen könnten Archiven und Museen in solcher Neuinterpretation zukommen?
Das sind einige der wesentlichen Fragen, die auf der Reise diskutiert werden. Eröffnet wird die Konferenz mit einer Veranstaltung in der Akademie der Künste, Berlin und an Bord des Schiffs. Die Route führt von Berlin nach Gorzów und an Archiven und Institutionen vorbei, die mit der Kultur des Kalten Krieges und der Kunstgeschichte in Verbindung stehen.
Neben der besonderen Möglichkeit zu tiefgründigen Diskussionen wird mit dem auf den Flussläufen reisenden Archivschiff das Durchqueren von nationalen, disziplinären und zeitlichen Grenzen erfahrbar. Ziel ist es, die parallel verlaufenden und sich voneinander unterscheidenden europäischen Geschichtsschreibungen mittels (kunst)historischer, philosophischer und interdisziplinärer Perspektiven miteinander zu verbinden.

Weitere Informationen unter: www.mosocvisualarts.wordpress.com

Mit freundlicher Unterstützung durch die: Kulturförderung Landkreis Oder-Spree / Burg Beeskow; Sparkasse Oder-Spree; Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam; Raiffeisen-Volksbank Oder-Spree eG; Akademie der Künste, Berlin; Universität Utrecht und das Forum Kunstarchiv Beeskow e.V.

Weitere Informationen:
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