Manfred Paul, o. T. (zu "Beinahe"),
Fotografie aus der Mappe "...und des Menschen Größe", 1988
© Manfrd Paul, Reproduktion: A. Herrmann




"und des Menschen Größe", 1988,
© Kunstarchiv Beeskow, Reproduktion: A. Herrmann
20.000 Bildwerke und Objekte ziehen um!
Mit Mitteln aus dem Kulturförderprogramm Invest-Ost wurde es dem Kunstarchiv Beeskow möglich in den Räumen des ehemaligen Kreisarchives, in direkter Nachbarschaft zur Burg Beeskow, eine neue, den aktuellen technischen Standards entsprechende Depotanlage auszubauen. Nun befinden sich die Beeskower Büsten, Gemälde, Teppiche, Zeichnungen und Grafiken auf dem Weg in ihr neues Heim. Daher kann das Kunstarchiv Beeskow derzeit nicht für Besuchergruppen geöffnet werden. Im Frühjahr 2019 wird das Depot an neuem Standort wieder geöffnet.

Bis dahin bietet sich allen Interessierten die Gelegenheit im Schloss Biesdorf in Berlin Marzahn-Hellersdorf Werke aus dem Beeskower Bestand zu entdecken. Das Kunstarchiv Beeskow ist dort aktuell mit der Präsentation einer Grafikmappe vertreten.

„… und des Menschen Größe“
Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher


17.11.2018 – 25.02.2019

Grafikmappen sind Ausstellungen im Kleinen. Zwischen Deckel und -Boden schwebt das Potenzial, ein Thema, eine Idee tiefgehend und facettenreich in Bildern zu fassen. Massenorganisationen und politische Institutionen der DDR haben im Laufe ihrer 40 Jahre zahlreiche Grafikmappen in Auftrag gegeben. Im Kunstarchiv Beeskow liegt ein aussagekräftiger Bestand solcher Werke, mit Beispielen aus allen vier Jahrzehnten. Daran abzulesen ist die Entwicklung der Themenproduktion der DDR-Kulturpolitik, aber auch wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler mit diesen Setzungen umgegangen sind, wo die Grenzen des Sagbaren verliefen, wo Spielräume gewährt wurden. Vor allem zum Ende der 1980er Jahren erscheinen die Kompilationen immer vieldeutiger: Düsternis und Ambivalenz beherrschen viele Motive, die mehr als eine Interpretation zulassen.

Auch die Mappe „ … und des Menschen Größe. Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher“ (1988) ist in diesem Zusammenhang zu sehen. „Schritt der Jahrhundertmitte“(1958), der letzte Gedichtband den Becher vor seinem Tod schuf, diente 21 Künstlerinnen und Künstlern als Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Es ist das Sinnieren eines Dichters wie linientreuen Sozialisten, zum Ende desillusioniert und zweifelnd, über Potenziale und Abgründe des menschlichen Daseins im Zusammenhang von Gesellschaft und Geschichte. Die Bilder, welche die Künstlerinnen und Künstler aus diesem Text gewinnen, zeigen den Menschen geprägt von Zerrissenheit, mal in drückender Einsamkeit, mal im Strudel gesellschaftlicher Prozesse, deren Erschaffer er selbst ist. Finden sich unter den 16 Grafiken einige, wenige farbige Blätter so erscheinen die 20 Fotografien in körnigem Schwarz-Weiß. Diese Aufnahmen sind Träger jener Melancholie für welche die ostdeutsche Autorenfotografie nur wenige Jahre später berühmt werden wird.

Mit Werken von Falko Behrendt, Christian Brachwitz, Helmut Brade, Manfred Butzmann, Michael Diller, Andreas Dress, Hubertus Giebe, Konstanze Göbel, Dieter Goltzsche, Ulrich Hachulla, Joachim John, Barbara Köppe, Wolfgang Mattheuer, Manfred Paul, Christine Perthen, Wolfgang Petrovsky, Uwe Pfeifer, Helfried Strauß, Ursula Strozynski, Dieter Tucholke und Werner Wittig.

Das Kunstarchiv Beeskow zeigt im Schloss Biesdorf in regelmäßigen Abständen Auszüge aus seinem Bestand. Die Präsentationen verweisen von Berlin aus auf die mehr als 20.000 Kunstwerke aus der Zeit der DDR, die im brandenburgischen Beeskow seit den frühen 1990er Jahren bewahrt und erschlossen werden.

www.schlossbiesdorf.de
Schloss Biesdorf
Alt-Biesdorf 55
12683 Berlin
Tel.: 030 - 51 65 67 79-0

Öffnungszeiten:
täglich von 10:00-18:00 Uhr
freitags von 12 – 21 Uhr
dienstags geschlossen


»Bildatlas: Kunst in der DDR« - ein Verbundprojekt des BMBF

Von 2009 bis 2012 realisierte das Kunstarchiv Beeskow gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam das Verbundprojekt "DDR-Depotkunst und Geschichtsvergegenwärtigung". Die erklärte Zielsetzung war, die vielfältigen Bestände an Kunst aus der DDR, die im Zuge des Gesellschaftsumbruchs aus der Öffentlichkeit verschwanden, in elektronischer Form und in einem Bildatlas wieder "sichtbar" zu machen. Begleitend zum Projekt wurden umfangreiche Vernetzungs- und Präsentationsmaterialien einschließlich einer datenbankgestützten Bildquellen-Edition erstellt.

weitere Informationen:
www.bildatlas-ddr-kunst.de