Jürgen Parche (*1946)
Die „Meisterin in der Kälberaufzucht“ ist Elfriede Pagel aus Heinrichsruh. In diesem Ort, direkt an der B 109 gelegen, befand sich die Aufzuchtanlage des Bullenmastbetriebes, ein Betriebsteil des VEB Ferdinandshof. Jürgen Parche hatte sein Modell exakt vor den Futtersilos positioniert, die seit 1968 einen markanten Orientierungspunkt in der Umgebung bildeten. Hochsilos wurden mit dem Übergang zu einer industriemäßigen Tier- und Pflanzenproduktion zum Synonym für landwirtschaftliche Großprojekte, als technische Bauten prägten sie über Jahre die landschaftlichen Silhouetten in unmittelbarer Nähe zu den Dörfern. Als der Künstler im Sommer 1990 noch an seinen Motiven zeichnete, erfolgte bereits die Übergabe der Gut Ferdinandshof GmbH an die Treuhand. Die endgültige Ausfertigung der Arbeiten kam nie zustande. Elfriede Pagel und Jürgen Parche hatten kaum miteinander gesprochen, das Bild blieb nach Angaben des Künstlers unvollendet und skizzenhaft. Nachdem der Künstler für seine begonnen Arbeiten noch ausgezahlt worden war, kamen die Werke, zum Teil unsigniert und ohne Rahmen, über die Treuhand ins Kunstarchiv Beeskow. Die alten Silos markierten noch bis April 2009 die Ortschaft Ferdinandshof an der B 109.
(Simone Tippach-Schneider: Aus dem Katalog „Ein weites Feld. Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow, 2005.)
Jürgen Parche,
Meisterin in der Kälberaufzucht, 1989, Öl auf Leinwand